MATCHDAY REPORT U23 – Torreiches Pokalspiel in Lübeck – U23 zum dritten Mal im Finale
MTV Lübeck – THW Kiel U23 / 44:46 n.V. (16:13 / 32:32 / 38:38)
Ein Pokalkrimi – erzählt von Kommissarin Ann Kathrin Klaasen
Ann Kathrin Klaasen hätte diesen Abend wahrscheinlich genauso beschrieben wie einen ihrer Fälle: ruhig beginnen, Spuren sammeln – und plötzlich entwickelt sich alles zu einem nervenaufreibenden Krimi. Die Halle in Lübeck war laut. Zu laut für jemanden, der eigentlich gewohnt ist, Tatorte zu untersuchen. Aber wenn ich eines aus meinen Fällen gelernt habe, dann dies: Man darf nie zu früh glauben, den Ausgang zu kennen.
Die THW Kiel U23 stand dem MTV Lübeck gegenüber. Pokalspiel. Und Pokalspiele haben ihre eigenen Gesetze. Der Anfang gehörte den Lübeckern. Sie spielten entschlossen, fast so, als hätten sie den Plan schon längst fertig in der Schublade. Kiel dagegen brauchte ein paar Minuten, um in den Rhythmus zu kommen.
Zur Halbzeit stand es 16:13 für Lübeck.
In meinen Ermittlungen wäre das der Moment, in dem ich denke: Der Täter liegt vorne.
Aber Fälle – und Spiele – kippen oft genau dann.
Nach der Pause änderte sich die Dynamik.
Kiel wurde entschlossener, konzentrierter. Die Zebras kämpften sich Schritt für Schritt zurück. Angriff für Angriff, Tor für Tor. Ich beobachtete das Spiel wie ein Puzzle. Jede Aktion ein weiteres Teil. Als die Uhr schließlich auf 60 Minuten sprang, war das Bild immer noch nicht komplett.
32:32. Unentschieden. In meinen Fällen würde das bedeuten: Der entscheidende Hinweis fehlt noch.
Die erste Verlängerung begann.
Beide Mannschaften spielten jetzt mit offenem Visier. Jeder Angriff war ein Risiko, jede Abwehraktion ein Kampf. Die Spannung in der Halle war fast greifbar. Nach diesen zusätzlichen Minuten zeigte die Anzeigetafel:
38:38. – Ich musste lächeln. Genau so fühlen sich meine schwierigsten Ermittlungen an. Man weiß, dass irgendwo die Entscheidung liegt – aber man hat sie noch nicht gefunden.
Dann kam die zweite Verlängerung.
Jetzt ging es nicht mehr nur um Taktik. Jetzt ging es um Nerven. Die jungen Zebras des THW Kiel zeigten genau das, was gute Ermittler und gute Handballer gemeinsam haben: Ruhe im entscheidenden Moment.
Kiel traf. Lübeck antwortete. Wieder Kiel. Wieder Lübeck.
Doch dann setzten die Zebras die letzten entscheidenden Treffer.
Als die Sirene ertönte, war der Fall gelöst. Endstand: 46:44 für den THW Kiel.
Ein Pokalkrimi mit doppelter Verlängerung. Und ich dachte nur:
Manchmal schreibt der Handball die besseren Krimis als jeder Roman.
Pokalfinale wir kommen vom dritten Mal in Folge.



