MATCHDAY REPORT U23 – 12.03.1977: Als Handball noch gefühlt Fußball war… 9:8-Sieg für den THW Kiel

Vom 9:8 zum 47:33 – eine kleine Zeitreise im Zebra-Stil
Es gibt diese Spiele, bei denen man sich fragt, ob das Ergebnis aus dem Handball stammt – oder doch eher vom Fußball übernommen wurde. Und dann gibt es Spiele, bei denen man sich fragt, ob die Anzeigetafel zwischendurch heimlich überhitzt ist. Der THW Kiel hat beides erlebt. Und zwar ziemlich genau 49 Jahre auseinander.

12.03.1977 – Als Tore noch Mangelware waren
Rund 6.500 Zuschauer rieben sich damals die Augen – allerdings nicht wegen eines Offensivfeuerwerks, sondern weil jedes Tor gefühlt ein kleines Ereignis war. Der THW Kiel gewann gegen TuS Wellinghofen mit 9:8. Ja, richtig gelesen: neun zu acht. Heute wäre das vermutlich das Halbzeitergebnis… wenn überhaupt. Dabei begann alles noch recht komfortabel. Kiel zog auf 7:2 davon – ein Vorsprung, der damals ungefähr so wirkte wie heute ein 15-Tore-Polster. Doch dann kam das, was man beim THW schon immer konnte: Spannung erzeugen, wo eigentlich keine mehr nötig war. Wellinghofen kämpfte sich zurück, das Spiel wurde hitzig, ruppig und emotional – ganz zur Freude der Zuschauer und zum Leidwesen der Schiedsrichter Falk/Rosmanitz, die vermutlich mehr Kilometer machten als die Außenspieler. Als es richtig eng wurde, stellte sich einer quer – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Torwart Holger Oertel. Er hielt, was zu halten war, und wahrscheinlich auch noch ein paar Dinge, die physikalisch gar nicht haltbar waren. Am Ende stand ein 9:8-Zittersieg, der weniger durch Glanz, dafür umso mehr durch Kampf, Krampf und Charakter glänzte.

Oder, um es im besten Zebra-Stil zu sagen: Der THW wackelte wie ein alter Kleiderschrank – aber er fiel nicht um.
Und das Wichtigste: Mit diesem Sieg war die Qualifikation für die eingleisige Bundesliga perfekt. Schön war’s nicht – aber erfolgreich. Und damals galt ohnehin: Wer zehn Tore wirft, hat schon fast übertrieben.

18.03.2026 – Als Tore plötzlich im Sonderangebot waren
Fast fünf Jahrzehnte später das komplette Gegenteil: THW Kiel U23 gegen HSG Marne/Brunsbüttel – Endstand 47:33. Ein Ergebnis, bei dem die 9 Tore von 1977 vermutlich schon nach zehn Minuten erreicht waren… von einer Mannschaft. Von Beginn an zeigten die Jungzebras, dass sie keine Lust auf Nostalgie haben. Tempo, Druck, Spielfreude – und vor allem: Tore. Viele Tore. Sehr viele Tore. Während man 1977 noch jeden Treffer einzeln feiern konnte, musste man 2026 fast schon aufpassen, beim Jubeln nicht in Rückstand zu geraten, weil das nächste Tor schon fiel. Nach kurzer Abtastphase übernahm Kiel die Kontrolle und spielte sich in einen regelrechten Rausch. Zur Halbzeit stand es bereits 23:13 – ein Ergebnis, das früher wahrscheinlich für zwei Spiele gereicht hätte. Und auch in der zweiten Hälfte blieb das Bild klar: Angriffswellen, schöne Kombinationen, kompakte Abwehr und eine Mannschaft, die als Einheit funktionierte. Das Beeindruckende: Jeder durfte, jeder konnte, jeder traf gefühlt auch. Während 1977 einzelne Torschützen noch namentlich hervorgehoben wurden, hätte man 2026 fast schreiben können: „Alle einmal durchgezählt – passt.“ Am Ende ein souveränes 47:33, ein Spiel ohne Zittern, ohne Drama – dafür mit jeder Menge Spielfreude und Offensivpower. Ein Sieg, der zeigt: Handball hat sich verändert. Und wie!

Fazit – Früher Zittern, heute Zaubern
1977: 9 Tore reichen zum Sieg, der Torwart ist der Held, und jeder Treffer fühlt sich an wie ein kleines Wunder.

2026: 47 Tore, Tempohandball, jeder Spieler eingebunden – und wenn mal fünf Minuten kein Tor fällt, fragt man sich schon, ob irgendwas nicht stimmt.

Beide Spiele haben eines gemeinsam: den THW Kiel und seinen unbändigen Willen zu gewinnen.

Oder anders gesagt: Früher brauchte man starke Nerven, heute braucht man starke Netze.

Und egal ob 9:8 oder 47:33 – am Ende gilt beim THW seit jeher:

Hauptsache Zebra. 

slide-up