U23 – ERSTE NIEDERLAGE – ABER DER WEG STIMMT!
Jungzebras kassieren erste Saisonniederlage – U23 unterliegt Schülp mit 37:39
Nach vier Siegen zum Saisonstart hat es die U23 des THW Kiel erstmals erwischt. In der Edgar-Meschkat-Halle mussten sich die Jungzebras der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg mit 37:39 (18:21) geschlagen geben. Trotz einer starken Offensivleistung und einer leidenschaftlichen Aufholjagd in der Schlussphase waren vor allem 39 Gegentore und eine zu passive Abwehrarbeit ausschlaggebend. Die Niederlage soll den bisherigen starken Weg der jungen Kieler Mannschaft jedoch nicht infrage stellen – vielmehr liefert sie wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung.
Vor 280 Zuschauern entwickelte sich von Beginn an eine torreiche Regionalliga-Partie. Während die Kieler offensiv immer wieder gute Lösungen fanden, bekam die Defensive insbesondere das Zentrum der Gäste nicht konsequent genug geschlossen. Bereits nach knapp zwölf Minuten lag der THW mit 6:10 zurück. Die Jungzebras blieben offensiv jedoch im Spiel, kämpften sich mehrfach heran, mussten aber mit einem 18:21-Rückstand in die Kabine gehen.
Trainer Jens Häusler sah den entscheidenden Ansatzpunkt entsprechend deutlich: „Wenn du 37 Tore wirfst und 39 kassierst, ist relativ schnell festzumachen, woran es gelegen hat. Im Angriff haben wir die Sache eigentlich gut gemacht und sind zu ausreichend Torerfolgen gekommen. Aber unsere Abwehr hat leider überhaupt nicht funktioniert. Gerade der Innenblock war viel zu häufig zu weit weg vom Mann, zu passiv und zu defensiv.“
Besonders Oke Petersen stellte die Kieler Defensive vor große Probleme. Der Schülper Rückraumspieler, der auch in der A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt spielt, erzielte insgesamt 14 Treffer und war damit der überragende Torschütze der Gäste. „Natürlich ist das ein guter Spieler“, so Häusler, „aber er darf gegen uns keine 14 Tore machen. Da müssen wir irgendwann andere Lösungen finden und uns besser positionieren. Das haben wir leider unabhängig von der jeweiligen Aufstellung nicht geschafft.“
Auch nach dem Seitenwechsel blieb Schülp zunächst tonangebend.
Beim 21:26 nach 39 Minuten und später beim 31:36 gut acht Minuten vor dem Ende schien die Partie zunehmend in Richtung der Gäste zu kippen. Doch die junge Kieler Mannschaft gab sich nicht geschlagen. In der Schlussphase zeigten die Jungzebras noch einmal Moral. Oscar Prawda und Per Kahlo führten die Aufholjagd an, und innerhalb weniger Minuten verkürzte der THW von 32:37 auf 36:37. Jördan Callsen brachte Kiel 31 Sekunden vor Schluss sogar noch einmal auf 37:38 heran. Erst der Treffer von Tim Luca Struve zehn Sekunden vor dem Ende entschied die Partie endgültig zum 37:39.
Dabei war es nicht nur die Abwehrarbeit, die Häusler kritisch bewertete. In den entscheidenden Situationen leisteten sich die Kieler zu viele eigene Fehler. „Immer wenn wir die Möglichkeit hatten, das Spiel vielleicht noch einmal zu drehen, haben wir uns durch technische Fehler selbst wieder um den Erfolg gebracht.“
Gleichzeitig machte der Trainer deutlich, dass eine Niederlage gegen einen starken Gegner wie Schülp kein Grund sei, den bisherigen Weg infrage zu stellen. Vielmehr hatte sich für ihn bereits während der Trainingswoche eine wichtige Erkenntnis angekündigt: „Gefühlt hat jeder einen Schritt weniger gemacht, ein bisschen nach dem Motto: Das wird schon. Genau daraus müssen wir lernen. Wir müssen jedes Mal aufs Neue dafür brennen, wenn wir erfolgreich sein wollen.“
Ein Sonderlob gab es für Viktor Stovicek, der in der zweiten Halbzeit zwischen die Pfosten rückte und mit zahlreichen Paraden dafür sorgte, dass die Jungzebras bis zum Ende im Spiel blieben. Auch das Kieler Spiel über die Außen funktionierte erneut gut.
Offensiv verteilte sich die Verantwortung auf viele Schultern. Erfolgreichster Kieler Torschütze war Oscar Prawda mit acht Treffern, darunter drei Siebenmeter. Per Kahlo erzielte sieben Tore, Niklas Petersen fünf und Olav Callsen vier. Levin Hildebrandt traf dreimal, Patrik Murko, Leo Kreft, Kalle Schumacher und Dominik Schweichler jeweils zweimal sowie Nis Kahlo und Jacob Hüge einmal.
Starker Saisonstart bleibt die Basis
Der Blick auf die Tabelle zeigt, warum diese erste Niederlage kein Grund ist, den gelungenen Saisonstart kleinzureden. Nach fünf Spielen stehen die Jungzebras bei vier Siegen und einer Niederlage, 8:2 Punkten sowie 190:164 Toren. Mit einer Tordifferenz von +26 belegt die U23 aktuell Rang fünf. Spitzenreiter TSV Ellerbek ist noch verlustpunktfrei, dahinter steht ausgerechnet Schülp mit 10:2 Punkten auf Rang zwei. Der THW befindet sich damit weiterhin in der Spitzengruppe der Regionalliga Nord.
Genau dort setzt Häusler mit seiner Bewertung an. „Ich habe den Jungs nach dem Spiel gesagt, dass dieses Spiel überhaupt nicht infrage stellt, was wir bisher erreicht haben. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber wir müssen daraus lernen.“
Für die Jungzebras ist das 37:39 deshalb vor allem eines: ein weiterer Schritt im Ausbildungsprozess. Vier Siege zum Start haben gezeigt, welches Potenzial in dieser jungen Mannschaft steckt. Die erste Niederlage zeigt nun, woran weiter gearbeitet werden muss. Erfolg in der Regionalliga kommt nicht von allein – und gerade solche Abende gehören zur Entwicklung einer jungen Mannschaft dazu.
Oder, wie es der Trainer mit einem Augenzwinkern und dennoch ziemlich treffend zusammenfasste: „Die Abwehr war an diesem Tag einfach grotte. Das wissen wir – und genau daran werden wir arbeiten.“



