VIER SPIELE. VIER SIEGE. 8:0 PUNKTE! „HEIN DADDEL“ HAT DA SO SEINE MEINUNG …
Hein Daddel schaut genau hin: Junge Wilde, erfahrene Führung und richtig viel Breite
Vier Spiele, vier Siege, 8:0 Punkte – Hein Daddel hat sich den Saisonstart unserer U23 einmal etwas genauer angesehen. Und nach dem 34:27-Auswärtserfolg beim AMTV Hamburg gibt es für unser Zebra einiges zu entdecken. Denn so schön ein makelloses Punktekonto auch aussieht: Noch interessanter ist die Frage, wie die Mannschaft von Trainer Jens Häusler diese ersten Wochen gestaltet. Dabei zeigt sich ein Bild, das sehr gut zur Ausbildungsidee der THW Kiel Junioren passt: ein breiter Kader, viele unterschiedliche Torschützen, junge Wilde, die ihre Chancen bekommen, und erfahrene Spieler, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben.
Die Aufgabe am Dienstagabend in Hamburg war alles andere als ein Selbstläufer.
Der AMTV stellte den Jungzebras eine erfahrene und eingespielte Mannschaft entgegen und zeigte gerade zu Beginn, dass die Punkte keineswegs im Vorbeigehen mitzunehmen waren. Entsprechend ausgeglichen entwickelte sich die Anfangsphase. Beim 4:4 war noch alles offen, ehe die Jungzebras zunehmend Zugriff auf die Partie bekamen. Die Abwehr arbeitete konsequenter, nach Ballgewinnen wurde das Tempo erhöht und auch im Positionsangriff fanden die Kieler immer häufiger gute Lösungen. Aus einem ausgeglichenen Beginn entwickelte sich Schritt für Schritt eine deutliche Führung. Zur Halbzeit stand bereits ein 19:12 auf der Anzeigetafel.
Nach dem Seitenwechsel machten die Jungzebras zunächst dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Das Tempo blieb hoch, die Mannschaft fand aus unterschiedlichen Positionen Lösungen und baute ihren Vorsprung weiter aus. Beim 29:19 waren es zwischenzeitlich zehn Treffer Unterschied. Der AMTV ließ sich davon allerdings nicht hängen und zeigte in der Schlussphase noch einmal Moral und Erfahrung. Die Gastgeber konnten verkürzen, ohne den Kieler Auswärtssieg noch ernsthaft in Gefahr zu bringen. Nach 60 Minuten stand ein verdienter 34:27-Erfolg und damit der vierte Sieg im vierten Saisonspiel fest.
Und genau hier schaut Hein Daddel etwas genauer hin.
Denn nicht allein die acht Punkte machen diesen Saisonstart interessant. Besonders auffällig ist, wie breit diese U23 aufgestellt ist und auf wie viele Schultern sich die Verantwortung verteilt. Die bislang erzielten 153 Treffer verteilen sich auf 18 verschiedene Torschützen. Das ist eine Zahl, die einiges über diese Mannschaft erzählt. Die Jungzebras sind offensiv nicht von einem oder zwei Spielern abhängig, sondern können aus vielen unterschiedlichen Konstellationen heraus gefährlich werden. Und selbst Torhüter Mads Riecken hat sich bereits mit einem Treffer in die Torschützenliste eingetragen.
Natürlich gibt es auch eine erkennbare Spitze.
Leo Kreft führt die interne Torschützenliste nach vier Spielen mit 26 Treffern an, gefolgt von Nis Kahlo mit 18 Toren. Dahinter zeigt sich aber bereits die große Breite: Dominik Schweichler erzielte in nur zwei Einsätzen 15 Treffer, Jacob Hüge kommt auf 14, Oscar Prawda auf 13, Per Kahlo auf 12 und Niklas Petersen auf 11 Tore. Linus Häusler steht bei acht Treffern, Claudius Beuthner bei sieben und Sebastian Rinker bei sechs. Patrick Wiencek, Levin Hildebrandt und Leonardo Scharfenstein haben jeweils fünfmal getroffen, Kalle Schumacher dreimal und Hannes Steding zweimal. Olav Callsen und Jonas Kroll steuerten jeweils einen Treffer bei – ebenso Torhüter Mads Riecken.
Für Hein Daddel steckt genau darin eine der spannendsten Geschichten dieses Saisonstarts: Die Spitze liefert, die Breite trägt und die jungen Wilden bekommen ihre Chancen. Trainer Jens Häusler kann unterschiedliche Spielertypen einsetzen, Verantwortung verteilen und gleichzeitig Talente an den Männerhandball heranführen. Wenn nach gerade einmal vier Spielen bereits 18 verschiedene Spieler getroffen haben, zeigt das, wie viele Jungzebras bereit sind, ihren Beitrag zu leisten.
Besonders deutlich wird der Ausbildungsweg beim Blick auf die Spieler, die eigentlich noch zum U19-Kader der THW Kiel Junioren gehören. Mit Olav Callsen, Tobias Dengler im Tor, Claudius Beuthner, Dominik Schweichler, Jonas Kroll und Sebastian Rinker haben bereits sechs U19-Spieler den Schritt in Richtung Männerhandball gemacht und Einsatzmöglichkeiten im Umfeld der U23 erhalten. Für die THW Kiel Junioren ist genau diese Durchlässigkeit ein entscheidender Bestandteil der Ausbildung. Die Jugendbundesliga soll nicht das Ende des Weges sein. Junge Spieler sollen frühzeitig erleben, welche Geschwindigkeit, Körperlichkeit und Entscheidungsqualität im Männerhandball verlangt werden.
Dabei geht es nicht darum, die jungen Spieler einfach nur auf den Spielberichtsbogen zu setzen.
Sie sollen Verantwortung übernehmen. Das zeigen auch die Zahlen. Dominik Schweichler hat in seinen beiden U23-Einsätzen bereits 15 Tore erzielt, Claudius Beuthner kam bei seinem Einsatz auf sieben Treffer, Sebastian Rinker auf sechs. Callsen und Kroll haben sich ebenfalls bereits in die Torschützenliste eingetragen. Tobias Dengler sammelt als junger Torhüter wertvolle Erfahrungen in einem Umfeld, in dem Würfe, Zweikämpfe und Entscheidungen noch einmal mit einer anderen Intensität kommen als im Jugendhandball. Genau diese Erfahrungen sind es, die sich in keiner Trainingseinheit vollständig simulieren lassen.
Und dann gibt es auf der anderen Seite die Erfahrung.
Patrick Wiencek steht sinnbildlich dafür, wie wertvoll die Verbindung unterschiedlicher Generationen sein kann. Nach dem Ende seiner großen Profikarriere ist „Bam Bam“ dem Handball und dem THW verbunden geblieben. Bei seinem U23-Einsatz steuerte er selbst fünf Treffer bei. Viel wichtiger als diese Zahl ist für eine Ausbildungsmannschaft aber das Wissen, das ein Spieler mit einer solchen Karriere weitergeben kann.
Denn Erfahrung zeigt sich nicht nur darin, selbst Tore zu erzielen oder einen Zweikampf zu gewinnen. Es geht darum, jungen Spielern zu vermitteln, wie Männerhandball funktioniert: Situationen früh zu erkennen, unter Druck ruhig zu bleiben, körperliche Duelle anzunehmen, miteinander zu kommunizieren und auch dann Verantwortung zu übernehmen, wenn eine Partie schwierig wird. Erfahrungen aus vielen Jahren Spitzenhandball stehen in keinem Lehrbuch. Sie werden auf dem Trainingsfeld, auf der Bank, in der Kabine und mitten im Spiel weitergegeben.
Genau diese Verbindung macht die U23 besonders interessant: junge Wilde und erfahrene Führung. Die Talente sollen nicht nur neben erfahrenen Spielern stehen, sondern von ihnen lernen, beobachten, zuhören und anschließend selbst Entscheidungen treffen. Erfahrung kann Orientierung geben – spielen und ihren eigenen Weg gehen müssen die Jungs am Ende selbst.
Das ist der eigentliche Auftrag dieser Mannschaft.
Die U23 bildet die Brücke zwischen dem Nachwuchsleistungsbereich und dem Männerhandball. Wenn sechs Spieler aus dem aktuellen U19-Kader bereits an diesen Bereich herangeführt werden, wird diese Brücke mit Leben gefüllt. Die Jungs erleben, was es bedeutet, gegen körperlich robuste und erfahrene Männer zu bestehen. Sie müssen lernen, unter höherem Druck Entscheidungen zu treffen, Zweikämpfe anzunehmen und Lösungen zu finden, wenn die Räume kleiner und die Zeitfenster kürzer werden.
Auch aus dem Hamburger Spiel lässt sich dabei weiter lernen. Beim 29:19 lagen die Jungzebras bereits mit zehn Toren vorne, ehe der AMTV in der Schlussphase noch einmal verkürzen konnte. Genau solche Situationen gehören zur Ausbildung: Wie kontrolliert man eine Partie bei deutlicher Führung? Wie hält man die Konzentration über 60 Minuten hoch? Wann braucht es weiterhin Tempo und wann Ruhe? Und wie verhindert man, dass ein erfahrener Gegner noch einmal Energie entwickelt? Auch ein Sieg liefert genügend Stoff für den nächsten Trainingstag.
Der Blick auf die Tabelle unterstreicht trotzdem, wie stark dieser Saisonstart gelungen ist. Die Jungzebras stehen nach vier Spielen mit 8:0 Punkten und 153:125 Toren auf Tabellenplatz zwei. Nur der TSV Ellerbek liegt mit 10:0 Punkten derzeit davor, hat allerdings bereits fünf Begegnungen absolviert. Doch unmittelbar hinter dem THW wartet bereits der nächste Gegner.
Denn viel Zeit zum Genießen bleibt nicht.
Schon am Freitag, 2. Oktober, um 20:15 Uhr wartet die nächste Herausforderung. Mit der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg kommt der aktuelle Tabellendritte. Die HSG steht nach fünf Spielen bei 8:2 Punkten und 158:128 Toren. Damit heißt es am Freitagabend: Zweiter gegen Dritter.
Das bisherige 8:0-Punktekonto darf den Jungzebras Selbstvertrauen geben, einen Vorsprung gibt es dafür am Freitag aber nicht. Die HSG bringt selbst einen starken Saisonstart mit und wird die junge Kieler Mannschaft vor neue Aufgaben stellen. Genau solche Spiele braucht eine U23: Begegnungen, in denen Tempo, Körperlichkeit, Konzentration und Entscheidungsqualität über 60 Minuten gefragt sind und in denen die jungen Spieler lernen können, mit Widerständen und Druck umzugehen.
Hein Daddel nimmt aus dem Hamburger Abend deshalb weit mehr mit als zwei weitere Punkte: 153 Tore, 18 verschiedene Torschützen – darunter sogar Torhüter Mads Riecken –, ein breiter Kader, eine starke Spitze, sechs Spieler aus dem U19-Kader, die bereits an den Männerbereich herangeführt werden, und erfahrene Spieler, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Die Mischung aus jungen Wilden und erfahrener Führung ist vielleicht die spannendste Geschichte hinter diesem gelungenen Saisonstart.
Vier Spiele, vier Siege, 8:0 Punkte – richtig stark. Aber am Freitag steht es wieder 0:0. Dann wartet die nächste Herausforderung und damit die nächste Lektion auf dem Ausbildungsweg unserer Jungzebras.



