U15 – ZEBRAHERZ. ZEBRAWILLE. HEIMSIEG!

U15-JUNGZEBRAS ZEIGEN IHR ZEBRAHERZ – 39:35 GEGEN STARKEN MTV LÜBECK
Es gibt Spiele, bei denen am Ende mehr hängen bleibt als zwei Punkte. Spiele, die zeigen, was in einer jungen Mannschaft steckt, wenn es schwierig wird. Genau so ein Spiel erlebte die U15 der THW Kiel Junioren am Samstag in der Edgar-Meschkat-Halle. Gegen einen starken MTV Lübeck setzten sich die Jungzebras nach 50 intensiven Minuten mit 39:35 (19:14) durch.

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als einfach. Krankheiten und Verletzungen hatten den Kieler Kader erheblich dezimiert. Mehrere Spieler standen nicht zur Verfügung, weitere waren angeschlagen. Jonas Grunwald war gerade erst aus seiner Verletzung zurückgekehrt und hatte erst in dieser Woche wieder mittrainiert. Trainer Jan Eckert wollte deshalb möglichst darauf verzichten, ihn bereits wieder einzusetzen. Unter dem Strich bedeutete das:
Die Jungzebras mussten die Partie praktisch mit nur einer echten Wechselmöglichkeit bestreiten.

Und zunächst lief es überhaupt nicht nach Plan.
Kiel erspielte sich zwar direkt zwei gute Möglichkeiten, ließ sie aber ungenutzt und geriet schnell mit 0:2 in Rückstand. Der MTV zeigte von Beginn an, warum diese Partie als echter Gradmesser erwartet worden war. Die Lübecker spielten mutig, konsequent und forderten die Jungzebras über die gesamte Spielzeit. Doch genau in dieser Phase zeigte die Kieler Mannschaft eine Qualität, die für die Ausbildung junger Spieler mindestens genauso wichtig ist wie jedes technische oder taktische Detail: Sie blieb bei sich.

Tor für Tor arbeiteten sich die Zebras zurück. Aus dem 3:5 wurde ein 6:6, beim 9:8 lag der THW erstmals vorne.
Dabei wählten die Kieler trotz des kleinen Kaders nicht den Weg über eine kontrollierte, kräfteschonende Spielweise. Im Gegenteil: Sie gingen Tempo. Immer wieder. Mit Mut, Laufbereitschaft und dem Vertrauen darauf, dass der Nebenmann den nächsten Weg ebenfalls mitgeht.

Die Grundlage dafür wurde in der Abwehr gelegt.
Dort wurde gearbeitet, geholfen, verschoben und füreinander gekämpft. Fynn Marlon Miltz machte im Zentrum einen starken Job, Michel Völker übernahm Verantwortung, Leo Thiessen verteidigte auf ungewohnten Positionen – und genau das war ein wichtiger Teil dieses Spiels. Außen verteidigten plötzlich auf Halb, andere Spieler übernahmen Aufgaben im Zentrum, und auch im Angriff wurde immer wieder rotiert. Jeder musste bereit sein, seine gewohnte Komfortzone zu verlassen und Verantwortung an anderer Stelle zu übernehmen.

Genau darin steckt Ausbildung.
Nicht nur eine Position beherrschen, sondern das Spiel verstehen. Lösungen finden, wenn der ursprüngliche Plan nicht mehr funktioniert. Verantwortung übernehmen, wenn die Kräfte schwinden. Und lernen, dass eine Mannschaft manchmal gerade dann wächst, wenn nicht alles perfekt vorbereitet werden kann.

Bis zur Pause belohnten sich die Jungzebras für diesen Aufwand. Aus einem engen Spiel wurde in den letzten Minuten der ersten Hälfte eine Kieler Führung. Über 14:11, 17:12 und schließlich 19:14 erspielte sich der THW ein Fünf-Tore-Polster. Bemerkenswert: Selbst in Unterzahl gelang Jonte Matti Kuss wenige Sekunden vor der Pause noch das 19:14. Doch der MTV Lübeck hatte noch lange nicht genug – und stellte die Kieler nach dem Seitenwechsel vor eine neue Aufgabe.

Mit einer offensiven Manndeckung erhöhte der Gast den Druck erheblich.
Für eine Mannschaft mit kaum Wechselmöglichkeiten war das körperlich eine enorme Herausforderung. Räume wurden größer, Laufwege länger und jede Entscheidung musste unter zunehmender Ermüdung getroffen werden. Und genau deshalb war diese zweite Halbzeit für die Entwicklung der Jungzebras so wertvoll. Sie mussten Lösungen suchen, miteinander kommunizieren und lernen, auch unter maximaler Belastung handlungsfähig zu bleiben. Lübeck ließ sich nicht abschütteln, verkürzte in der Schlussphase mehrfach und kam beim 31:30 sogar wieder bis auf einen Treffer heran. Spielbericht U15 Lübeck Doch die jungen Zebras hielten dagegen. Jonte Kuss traf zum 32:30, Matti Friese zum 33:30 und erneut Jonte zum 34:30. Als der MTV noch einmal auf 35:33 verkürzte, fanden die Kieler erneut eine Antwort. 

Am Ende stand ein 39:35, das sich diese Mannschaft mit enormem Einsatz erarbeitet hatte.
Michel Völker erzielte neun Treffer, Fritz Bornhalm acht, Matti Friese und Jonte Kuss jeweils sieben. Fynn Miltz steuerte vier und Leo Thiessen drei Tore bei, Marlon Gültekin setzte mit dem 39:35 den Schlusspunkt. Aber an diesem Nachmittag erzählte die Statistik nur einen Teil der Geschichte. 

„Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs“, brachte Trainer Jan Eckert seine Gefühlslage anschließend auf den Punkt. Besonders beeindruckt hatte ihn, wie seine Mannschaft trotz der personellen Situation immer wieder Tempo aufnahm, in der Abwehr füreinander arbeitete und sich von der Manndeckung des MTV nicht aus dem Konzept bringen ließ. „Wie viel Emotion, wie viel Kampf und wie viel Wille heute da waren – das habe ich selten in einer Mannschaft gesehen. Riesenrespekt an die Jungs.“

Dabei gehört zur Kieler Ausbildung auch, einen solchen Erfolg richtig einzuordnen. Das Ergebnis ist schön, die zwei Punkte sind verdient – wichtiger ist aber, warum dieses Spiel gewonnen wurde. Weil Spieler Verantwortung übernommen haben. Weil Positionen nicht als Grenzen verstanden wurden. Weil die Mannschaft auch nach Fehlern weitergespielt hat. Weil sie bereit war, für den Nebenmann einen zusätzlichen Meter zu laufen. Und weil sie gegen einen guten MTV Lübeck Lösungen für immer neue Aufgaben finden musste.

Genau solche Spiele sind Bausteine auf dem Zebra-Weg. Ein 39:35 verschwindet irgendwann aus dem unmittelbaren Gedächtnis. Die Erfahrung, gemeinsam eine schwierige Situation gemeistert zu haben, bleibt.

Nach dieser intensiven Woche bekommt die Mannschaft deshalb am Montag bewusst trainingsfrei. Regeneration gehört genauso zur Ausbildung wie Belastung. Angeschlagene und erkrankte Spieler sollen die notwendige Zeit bekommen, wieder vollständig gesund zu werden. Denn bei aller Leidenschaft gilt gerade im Nachwuchs: Entwicklung braucht Belastung – aber genauso Verantwortung, Geduld und Erholung.

Ein starker Gegner. Ein kleiner Kieler Kader. 50 Minuten voller Aufgaben. Und eine Mannschaft, die als Mannschaft eine Antwort gefunden hat. Das ist Zebra-DNA.

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